Ein Tag in der Integrierten Leitstelle Donau-Iller

Die Disponenten – hier Daniel  Stumpp und Sabine Kappel­meier – arbeiten eng zusammen.
© Foto: Volkmar Könneke

Der Mann am Telefon klingt aufgeregt. Ein Keuchen, dann rattert er ohne Luft zu holen eine Adresse im Unterallgäu herunter. „Meine Frau hat einen Erstickungsanfall, wir brauchen einen Notarzt, schnell“, ruft er. Sabine Kappelmeier tippt die Daten in ein Formular ein, ihre Finger huschen über die Computertastatur. „Der Rettungsdienst ist unterwegs zu Ihnen“, sagt sie, ruhig und freundlich. „Ist Ihre Frau ansprechbar?“ Doch da ist nur noch ein Tuten zu hören – der Anrufer hat schon wieder aufgelegt.

Kappelmeier arbeitet in der Integrierten Leitstelle Donau-Iller (ILS) in Krumbach. Hier werden sowohl Einsätze des Rettungsdienstes als auch der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes organisiert. Wer in den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg, Unterallgäu oder der Stadt Memmingen die Notrufnummer 112 wählt, landet bei einem der 23 Disponenten. Sie arbeiten aber nicht nur Notfälle ab, sondern planen auch Krankentransporte und vorhersehbare Einsätze: Dieses Wochenende sind zum Beispiel viele Feuerwehren bei Funkenfeuern unterwegs.

Die Einsatzzentrale liegt im ersten Stock eines unscheinbaren Gebäudes in der Krumbacher Innenstadt. Die Möbel sind aus hellem Holz, an den Fenstern hängen Jalousien. An jedem der sechs Arbeitsplätze stehen fünf Bildschirme. Schichtleiter Daniel Stumpp deutet auf einen davon. „Hier sieht man die aktuellen Einsätze“, sagt er. Einige Zeilen sind gelb eingefärbt, diese Einsätze laufen gerade. Was blau gekennzeichnet ist, ist heute noch zu erledigen – etwa ein Krankentransport in die Weißenhorner Klinik. „Gerade ist die Lage relativ ruhig“, sagt Stumpp. „Das kann in einer halben Stunde aber schon ganz anders aussehen.“

Plötzlich klingelt das Telefon, bei jedem der Disponenten poppt eine Meldung auf dem Bildschirm auf. Kappelmeier setzt ihr Headset auf und klickt auf ein Hörer-Symbol. „Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst, Kappelmeier, Grüß Gott“, sagt sie. Es meldet sich eine Erzieherin aus einem Kindergarten im Unterallgäu. Ein Junge sei gestürzt und mit dem Kopf auf einem Fensterbrett aufgeschlagen. „Er hat eine Platzwunde, wir können die Eltern nicht erreichen.“ Kappelmeier erkundigt sich noch, wie alt der Junge ist: drei Jahre. „Wir schicken jemanden“, sagt sie dann. Drei Minuten, nachdem der Anruf eingegangen ist, sind die Sanitäter schon unterwegs zum Kindergarten.

Die Disponentin nimmt einen Schluck aus ihrer Wasserflasche. „Für mich ist das wirklich ein Traumjob“, sagt sie. „Wenn man nach Hause geht, weiß man, dass man etwas Sinnvolles getan hat.“ Eigentlich hat die 36-Jährige Erzieherin gelernt, früher in einer Kinderkrippe gearbeitet. Seit neun Jahren ist sie nun schon in der Leitstelle beschäftigt, momentan in Teilzeit. „Ich bin da so reingerutscht, mit zwölf Jahren hab ich schon bei der Feuerwehr angefangen.“

Das ist auch Voraussetzung für den Disponenten-Job. Wer sich bewirbt, sollte schon die Gruppenführer-Prüfung der Freiwilligen Feuerwehr bestanden haben, außerdem muss man Rettungsassistent oder Notfallsanitäter sein. „Die eigentliche Ausbildung zum Disponenten erfolgt dann vor Ort“, erklärt Schichtleiter Stumpp. Anfänger hören zuerst mit, wenn erfahrene Kollegen telefonieren, steigen dann langsam selbst ins Telefonieren und Disponieren ein. Parallel dazu gibt es eine zehnwöchige Schulung, die an die Ausbildung der Berufsfeuerwehr angelehnt ist. Dazu kommt ein siebenwöchiger Disponenten-Lehrgang an der Feuerwehrschule im oberbayerischen Geretsried. „Bis man fertig ausgebildet ist, dauert das etwa ein Jahr. Das hängt aber etwa auch von den Ortskenntnissen ab.“

Drei Arbeitsplätze in der Leitstelle sind immer besetzt – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. An einem sitzt der Schichtführer, er behält den Überblick über alle Einsätze. Ein Kollege organisiert den Rettungsdienst, einer die Einsätze der Feuerwehren. Je nach Zeit und Lage kommen noch weitere Mitarbeiter dazu, die sich nur ums Telefonieren kümmern und die Daten dann an die Kollegen weitergeben. Für größere Unglücke gibt es dafür sogar noch einen extra Raum. „Grundsätzlich gilt aber: Jeder kann alle Dienste machen“, sagt Schichtleiter Stumpp. „Ich telefoniere auch ganz normal mit, wie alle anderen auch.“

Kappelmeier hat heute Feuerwehrdienst. Plötzlich erklingt ein leiser Gong, auf ihrem Bildschirm taucht ein kleines Feuer-Symbol auf. Ein Autofahrer hat übers Handy einen Unfall auf der A7 zwischen dem Dreieck Hittistetten und Nersingen gemeldet. Drei Autos seien darin verwickelt – ob jemand verletzt ist, weiß niemand. Diesmal gibt es einen „kombinierten Einsatz“: Feuerwehr und Rettungsdienst rücken aus. Das Computersystem macht automatisch Vorschläge, welche Feuerwehr den Unfallort am besten erreichen kann – in diesem Fall sind die Einsatzkräfte aus Senden dran. Zwölf Minuten, nachdem der Anruf eingegangen ist, kommt eine Rückmeldung aus dem Rettungswagen: Die Einsatzkräfte haben den Unfallort erreicht, es gibt einen Leichtverletzten. Weitere vier Minuten später trifft auch die Feuerwehr ein und meldet: Es sind tatsächlich drei Fahrzeuge beteiligt, die linke Spur ist blockiert.

Die Disponentin tippt alle Informationen in den PC dokumentiert alle Rückmeldungen. So können sämtliche Einsätze genau nachvollzogen werden. 2017 verzeichnete die Leitstelle insgesamt rund 132 500 Anrufe. 83 500 Mal rückte der Rettungsdienst aus, 4300 Mal die Feuerwehr. Seit Jahren steigen diese Zahlen stetig an. „Die Menschen werden schließlich älter, dann entstehen auch mehr Krankheiten“, sagt Reiner Wolf, Leiter der Integrierten Leitstelle. Außerdem verändere sich in Bayern die Krankenhauslandschaft, manche Kliniken schließen oder werden zusammengelegt – dadurch sind mehr und weitere Fahrten nötig.

Manchmal wird die 112 auch bei Beschwerden gewählt, die einfach in einer Praxis behandelt werden können. Dann verweisen die Disponenten auf die Telefonnummer 116117, über die der ärztliche Bereitschaftsdienst koordiniert wird. „Letztes Jahr hat auch mal eine ältere Frau angerufen, weil ihre Heizung ausgefallen ist“, erzählt Kappelmeier – eigentlich nicht das Aufgabengebiet der Leitstelle. „Aber wenn man raushört, dass sich jemand wirklich nicht mehr zu helfen weiß, unterstützt man ihn trotzdem.“

Dann klingelt wieder das Telefon. „Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst, Guten Tag“, sagt Kappelmeier erneut, als sie den Anruf annimmt. Es meldet sich der Mann aus dem Unterallgäu, dessen Frau heute Vormittag keine Luft mehr bekommen hatte. Mittlerweile ist alles wieder gut – ihr war beim Essen etwas im Hals stecken geblieben, die Haushaltshilfe leistete erfolgreich Erste Hilfe. Der Mann möchte nur noch eines loswerden, er sagt: „Dankeschön!“

Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/kreis-neu-ulm-bayern/ein-tag-in-der-integrierten-leitstelle-donau-iller-24821826.html

Helden bei der Arbeit

Im Günzburger Legoland präsentierten sich Einsatzkräfte mit ihren Fahrzeugen und Geräten. Für sie hatte der Spaß für die Besucher einen wichtigen Hintergrund. Von Mario Obeser

Sie sind die stillen und manchmal lauten Helden des Alltags. Sie helfen in Not geratenen Menschen und Tieren und schützen im Ernstfall Hab und Gut. Die Einsatzkräfte aus verschiedenen Bereichen der Feuerwehr, der Rettungsorganisationen und des Technischen Hilfswerks präsentierten sich jetzt beim Helden-Event im Günzburger Legoland.

Hier war einiges geboten. Wer über den Dingen sein wollte, konnte einen Hubschrauberrundflug ordern, um sich das Legoland für ein paar Minuten von oben anzusehen. Einen Platz neben dem Kunstflieger, der waghalsiger Flugmanöver zeigte, war nicht zu bekommen. Was sicherlich auch nicht wirklich jemand wollte.

Bereits vor dem Eingangsbereich des Parks konnten eine Drehleiter, verschiedene moderne und ältere (teils Oldtimer-) Fahrzeuge von Feuerwehr und THW, darunter auch ein 50 Meter Kran der Feuerwehr Ulm bestaunt werden. Im Inneren des Legoland-Parks waren über das gesamte Gelände verteilt einzelne Stationen aufgebaut. Mal gab es Einsatzfahrzeuge zu sehen, bei denen fachkundige Helfer der jeweiligen Organisationen Fahrzeug und Material zu erklären wussten. An anderen Stellen gab es richtige Action.

Auf zwei Showübungen zeigten die Helfer zum Beispiel, wie nach einem Verkehrsunfall ein im Auto eingeschlossener Mensch möglichst schonend aus seinem Fahrzeug gerettet wird. Eindrucksvoll arbeiteten Kräfte verschiedener Feuerwehren zusammen, um mit hydraulischer Rettungsschere und Spreizer den Fahrer aus seinem Unfallauto zu befreien. Der Rettungsdienst versorgte währenddessen den „Verunglückten“ bereits im Fahrzeug, ehe er dann durch die Feuerwehrfrauen und Männer gerettet und dem Rettungsdienst übergeben wurde.

Bindeglied zwischen den Organisationen 

Auch die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) des Katastrophenschutzes des Landkreis Günzburg mit ihren Fahrzeugen präsentierte ihre Arbeit als Bindeglied zwischen den verschiedenen Rettungsorganisationen. 20 Männer und eine Frau sind beim Katastrophenschutz und ausgebildet im Umgang der Technik.

Die Motorradstaffel des Bayerischen Roten Kreuz ist auf den Hauptverkehrsrouten in ganz Schwaben an den Wochenenden unterwegs. Mit einigem medizinischem Material ausgestattet sind die wendigen Helfer eine wertvolle Ergänzung zu den großen Rettungswagen und Notarztfahrzeugen. Sie fahren dabei Streife, und werden auch gezielt über die Integrierte Leitstelle Donau-Iller zu Einsätzen geschickt.

Kleine und große Wunden schminkte das Jugendrotkreuz den Besuchern – um diese dann auch noch perfekt zu verbinden. Die Rettungshundestaffel des BRK hatte einen Parcours aufgebaut und zeigte in Vorführungen eindrucksvoll, was die ausgebildeten Rettungshunde leisten können. Auch der THW-Ortsverband Günzburg stellte Fahrzeuge, Werkzeuge und Einsatzmittel unter professioneller Beratung aus. Neben einem Rüstwagen – der fahrenden Werkzeugkiste – war auch ein Unimog ausgestellt. Dieser stand mit den Vorderreifen auf Hebekissen. Jedes dieser Kissen kann 7,5 Tonnen Last per Druckluft heben. Diese Kissen werden beispielsweise zum Anheben von Trümmerteilen verwendet, um an verschüttete Menschen zu kommen. Im Legoland nutzten die Helfer die Kissen für ein Spiel: Vor dem Unimog war ein Labyrinth aufgebaut, das mittels Hebekissen geneigt werden konnte, um so einen Ball mit Fingerspitzengefühl ans Ziel zu manövrieren.

Alle Rettungsorganisationen haben eines gemeinsam, die suchten stets nach Kindern- und Jugendlichen, die sich interessieren und Mitglied werden. Auch deshalb war für die Helfer das Heldenwochenende so wichtig, um sich zu präsentieren. Denn die beste Technik und viel Geld helfen am Ende nichts, wenn der Nachwuchs fehlt.

Quelle: www.augsburger-allgemeine.de – Stand: 16.04.2016 – 11:49 Uhr

Eichenprozessionsspinner könnten Feste gefährden

nestentfernungRaupen Gestern war auch die Günzburger Feuerwehr im Einsatz

VON WALTER KAISER

Man soll ja den Teufel nicht an die Wand malen. Aber wenn’s dumm läuft, könnten die gefährlichen Eichenprozessionsspinner bei so manchem Open-Air-Festveranstalter in den nächsten Tagen und Wochen noch für Kopfzerbrechen sorgen. Denn Experten sind sich einig: mit den behaarten Raupen ist nicht gut Kirschen essen. Deshalb waren die Riedheimer sicher gut beraten, ihr für Samstag geplantes Fischerfest abzublasen. Inzwischen sind die ekligen Krabbler auch in Günzburg entdeckt worden – an Eichen bei der Zufahrt zum Auwaldstadion und in
der Nähe des Auwaldkindergartens.
Eingepackt in dichte Schutzanzüge machten sich gestern sechs Floriansjünger von 7.30 bis 11 Uhr daran, den Tieren, die zu hunderten in einem Nest sitzen, an insgesamt fünf Eichen den Garaus zu machen. Wie Feuerwehrkommandant Christian Eisele erläuterte, wurden die Raupen auf Anraten der Regierung von Schwaben und der Berufsfeuerwehr Stuttgart in mühseliger Kleinarbeit eingesammelt und anschließend mitsamt ihrer Nester verbrannt.

Selbst Schockreaktionen sind möglich

Da Pestizide gegen die Raupen in deren jetzigem Entwicklungsstand nichts mehr ausrichten können, muss zu dieser wenig erbaulichen Kampfweise gegriffen werden. Denn die mit Widerhaken bestückten, sehr feien Brennhaare der Raupen können sich selbst nach dem Tod der Tiere noch ausbreiten und bei allergisch veranlagten Menschen bis zu Schockreaktionen führen. „Diese Gefahr besteht jetzt bis weit in den Herbst hinein“, erklärte Christian Eisele.
Der Platzwart des Auwaldstadions wurde deshalb gestern von der Stadtverwaltung angewiesen, die Umgebung des Sportgeländes nach weiteren Eichenprozessionsspinnern abzusuchen, die Kinder des Auwaldkindergartens mussten während des Feuerwehreinsatzes in ihren
Räumen bleiben.

Das Günzburger Ordnungsamt wies zudem die Verantwortlichen der verschiedenen städtischen Einrichtungen – darunter Waldbad und Kindergärten – an, ebenfalls nach Raupennestern Ausschau zu halten. Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren am gestrigen Nachmittag ihrerseits unterwegs, um zum Beispiel am Donauradwanderweg und am Trimm-Dich-Pfad im Bereich der Heidenheimer Straße nach den gefährlichen Krabblern zu fahnden. „Ich will keine Panik machen“, versicherte Feuerwehrkommandant Eisele, „aber wer Eichenprozessionsspinner sieht, sollte sehr vorsichtig sein“. Ohne eine Rundumschutzkleidung dürften die Tiere nicht angefasst werden. Eisele: „Gummihandschuhe reichen mit Sicherheit nicht aus.“ Wie gestern berichtet, sorgt ein Eiweiß in den feinen Haaren der Raupen für Ausschläge, häufig bilden sich Quaddeln am ganzen Körper. Befallene Gebiete sollten sofort den örtlichen Behörden gemeldet werden. Wer mit Eichenprozessionsspinnern in Berührung kommt, sollte rasch die Kleider wechseln und unter die Dusche gehen.

Aus der GZ vom 13.06.07