Zu viel Regen in kurzer Zeit

Bild: Emil Albrecht

Der Starkregen am vergangenen Donnerstag hat Keller und Straßen unter Wasser gesetzt. Die Stadt Burgau will prüfen, wie sie mehr Wasser zurückhalten kann.

Nach dem Starkregen am Donnerstag vergangener Woche hatten die Feuerwehren im Kreis Günzburg 39 Einsätze, die meisten im Raum Burgau, aber auch im Bereich Jettingen-Scheppach, Dürrlauingen, Konzenberg, Haldenwang, Waldstetten und Richtung Krumbach. Kreisbrandrat Robert Spiller sagt, dass vor allem Straßen und Keller überflutet wurden, auf manchem Feld steht noch Wasser. Es habe zu viel in kurzer Zeit geregnet, sodass Kanäle und kleine Bäche das Wasser nicht transportieren konnten. Die Schadenshöhe ist nicht klar.

Burgaus Feuerwehrkommandant Hans-Peter Merz spricht von 60 Litern in eineinhalb Stunden, „das gab es in den letzten 60 Jahren nicht“. An der Feuerbachstraße wurden mehrere Keller überflutet. Stadtbaumeister Werner Mihatsch sagt, dass selbst ein Regenüberlaufbecken nicht gereicht habe und der Knöringer Bach das viele Wasser „nicht gepackt hat“.

Vor so viel Regen könne sich keiner schützen, aber man werde die genaue Ursache analysieren und überlegen, wie mehr Wasser aufgenommen werden kann. Das sei aber nicht kurzfristig zu realisieren. Nicht auszuschließen sei, dass Kanal- und Bachabflüsse durch weggespülte Erde verstopft waren. Wichtig sei für Haushalte, eine Rückstaueinrichtung beziehungsweise eine Hebeanlage zu haben.

Quelle: Burgau: Zu viel Regen in kurzer Zeit – Nachrichten Günzburg – Augsburger Allgemeine – Stand: 29.05.2018 – 19: Uhr

33-jähriger Biker stirbt nach Unfall mit Traktor

Ein 33-Jähriger ist am Samstag mit seinem Motorrad bei einem Verkehrsunfall gestorben. Bild: Robert Weiss

Ein 33-Jähriger ist bei einem Unfall im Landkreis Günzburg tödlich verunglückt. Er prallte mit seinem Motorrad gegen einen Traktor, als dieser auf einen Feldweg abbog.

Ein Motorradfahrer ist im Landkreis Günzburg bei Ursberg nach einem Zusammenprall mit einem Traktor gestorben. Der 41-jährige Traktorfahrer fuhr auf einer Kreisstraße von Mindelzell in Richtung Niederaunau und wollte nach links auf einen Feldweg abbiegen. Dabei übersah er den 33-jährigen Motorradfahrer, der entgegenkam. Laut Polizeibericht gaben Zeugen an, dass der Kradfahrer aus Offingen mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war.

Der 33-Jährige prallte gegen die Vorderachse des Traktors und wurde im Anschluss durch dessen Hinterreifen überrollt. Ersthelfer versuchten noch, ihn zu reanimieren, was aber erfolglos blieb.

Der Traktorfahrer blieb äußerlich unverletzt, erlitt aber einen Schock. Am Traktor entstand ein Schaden in Höhe von 4000 Euro, am Motorrad ein Totalschaden in Höhe von rund 5000 Euro.

Die Polizei Krumbach hat die Staatsanwaltschaft Memmingen und einen Sachverständigen für Unfallanalytik hinzugezogen, um zu klären, wer für den Tod des Motorradfahrers verantwortlich war.

Quelle: Günzburger Zeitung

Mehr Brände und schwere Unfälle im Kreis

Mit fast 70.000 Einsatzstunden geraten die Feuerwehren im Kreis an ihre Belastungsgrenze. Zu schaffen macht ihnen die wachsende Zahl schwerer Verkehrsunfälle auf der A8Copy%20of%20DSC_0334.tif

Die wachsende Zahl schwerer Verkehrsunfälle auf der A8 bereitet den Feuerwehren im Landkreis Bauchschmerzen. Kreisbrandinspektor Wolfgang Härtl sieht die Zunahme vor allem im Zusammenhang mit dem dreispurigen Ausbau der Autobahn. Die Einsatzstellen seien weitläufiger geworden, die Unfallmechanismen hätten sich geändert und erforderten andere Vorgehensweisen bei der Abarbeitung, erklärte Härtl bei der Dienstversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes im Bräuhaussaal in Ursberg.

Auch bei den Bränden waren die 108 Feuerwehren im Landkreis im vergangenen Jahr stark gefordert.

Mit den Werks- und Betriebsfeuerwehren leisteten fast 4300 Männer und Frauen ihren Dienst im Ehrenamt, um in unterschiedlichen Notlagen, Bränden und Unfällen zu helfen. Trotz ihres engagierten Eingreifens entstanden hohe Sachschäden durch Unfälle oder Brände, aber auch durch Unwetter. Mit neun Einsätzen mehr als im Vorjahr stieg die Zahl der Einsätze im Jahr 2017 auf 1524. 364 Mal wurde die Feuerwehr gerufen, weil es brannte – 19 Mal öfter als im Vorjahr. 780 Mal rückten die Wehren zu technischen Hilfeleistungen aus. Für elf Menschen kam im vergangenen Jahr jedoch jede Hilfe zu spät.

Spuren hinterlassen die Einsätze aber auch bei den Hilfskräften, von denen 162 betreut werden mussten, 16 Feuerwehrleute wurden verletzt. Mit fast 70000 Stunden ist die Einsatzzeit auf Rekordhöhe und die Aktiven kämen teilweise an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Nach einigen Daten zu den eingesetzten Geräten und verschiedenen Übungsstunden sowie Hinweisen zu Neuerungen im Meldewesen dankte Härtl einer ganzen Reihe von Organisationen, die die Arbeit der Feuerwehren unterstützen und eine konstruktive Zusammenarbeit gewährleisten.

Kreisjugendfeuerwehrwart Markus Link vermeldete, dass sich die Zahl der Mitglieder in den 83 gemeldeten Jugendgruppen auf 661 Feuerwehranwärter erhöht hat. Darunter sind 171 Mädchen. Link wies die anwesenden Kommandanten noch darauf hin, dass sie über einen Jugendwartwechsel in ihrer Wehr grundsätzlich informieren sollten.

Nicht nur die Wahl des Versammlungsortes Ursberg mache ihn stolz, sondern der hohe Ausbildungsstand und die Anstrengungen und Bemühungen in der Jugendarbeit verdienten große Anerkennung, sagte 2. Bürgermeister Anton Jeckle in seinem Grußwort.

„Das heutige Treffen ist eine wunderbare Gelegenheit, Ihnen meine vollste Anerkennung und Wertschätzung für diese ehrenamtliche Arbeit entgegenzubringen, denn das Gefährdungspotenzial, das Sie abdecken müssen, ist sehr umfangreich“, lobte auch Landrat Hubert Hafner.

 

In einer ausführlichen Laudatio ging er auf die Laufbahn von Robert Spiller, der seit fast 17 Jahren sein Amt als Kreisbrandrat verantwortungsbewusst und zuverlässig ausübt, ein. „Mit seinen Kollegen geht er buchstäblich durchs Feuer. Es freut mich, dass wir im Landkreis eine solch harmonische und erfolgreiche Zusammenarbeit aufweisen können“, so Hafner. Gerne hätte er ihm im Namen des Freistaates Bayern die verdiente Ehrung überbracht, da Spiller jedoch erkrankt fehlte, erfolgt sie zu einem späteren Zeitpunkt.

Die im Bericht des Schatzmeisters erwähnten Zahlen seien in Buchführung und finanzieller Hinsicht in Ordnung, bestätigte Kassenprüfer Christian Blaha.

Ohne Gegenstimme wählten die Mitglieder anschließend Martin Mayer wieder zum Schatzmeister sowie Christian Blaha (FW Unterknöringen) und Andreas Faith (Ziemetshausen) als Kassenrevisoren. Kreisbrandinspektor Härtl und Landrat Hafner ehrten im Verlauf der Versammlung mehrere verdiente Aktive mit silberner und goldener Inspektionsnadel.

Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten

Häufig werden Brände gemeldet – obwohl es nicht brennt

Die Feuerwehr muss im Landkreis immer wieder ausrücken, obwohl es gar kein Feuer gibt. Was es damit auf sich hat und welche Folgen das haben kann.

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In den vergangenen Tagen sind Feuerwehren im Landkreis Günzburg öfter ausgerückt, weil Brandmeldeanlagen Alarm ausgelöst hatten. Alleine vom 26. Februar bis 1. März kam das sieben Mal vor, zeigt die Übersicht des Kreisfeuerwehrverbands. In der Regel gibt es bei solchen Meldungen aber kein Feuer. Kreisbrandrat Robert Spiller sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass es Zeiten gebe, in denen sich solche Alarme häuften, beispielsweise bei Kälte oder starkem Wind.

Er spricht nicht vom Fehl-, sondern vom Täuschungsalarm, da die Anlagen durchaus etwas registrieren. So könnte es sein, dass Wind Staub aufwirbelt, und dieser als Rauch interpretiert werde. Davon abgesehen komme es immer wieder vor, dass Staplerfahrer in Firmen an Sprinkleranlagen hängen bleiben, und auch dadurch ein Alarm ausgelöst wird.

Dass in Unternehmen bei Kälte öfter Melder anschlagen, kann sich der Geschäftsführer von Esotronic, nach eigenen Angaben eines der führenden Unternehmen in Süddeutschland auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik mit Sitz in Bubes-heim, nicht pauschal erklären. Dabei müsse geprüft werden, sagt Rolf Haugg, ob sich in einer Firma im Winter gegenüber den warmen Jahreszeiten etwas verändere.

Eigentlich sollte es keine falschen Alarme geben

So gebe es Anlagen, die auf Temperaturunterschiede reagieren und angesichts der derzeit niedrigeren Werte Alarm geben könnten. Aber die Technik sei so ausgereift, dass dies nicht vorkommen sollte – wenn die Geräte richtig eingestellt sind. Es komme aber vor, dass sich beispielsweise in der Produktion eines Betriebs etwas ändert, und vergessen wird, die Brandmeldeanlage auch umzustellen. Normalerweise gebe es vier Mal im Jahr eine Wartung, bei der auch darauf geachtet und beispielsweise zudem geprüft wird, ob ein Melder noch richtig funktioniert. „Bei einer ordentlichen Wartung darf es keine falschen Alarme geben“, betont Haugg. Aber dafür müsse ein Betrieb erst einmal auch Fachleute damit beauftragen.

Vorkommen kann es auch, dass generell falsche Melder installiert sind, etwa wenn ein hitzeempfindliches Gerät neben einem Brennofen hängt. So oder so müsse auf die Funktionstüchtigkeit geachtet werden, zumal es auch Meldeanlagen gebe, die nicht direkt mit der Feuerwehr verbunden sind. Und wenn es dann immer einen falschen Alarm gibt, bestehe die Gefahr, dass ein richtiger vom Personal nicht mehr ernst genommen wird. Gute Technik und eine ausgiebige Planung seien mit größeren Anschaffungskosten verbunden, die sich aber auf lange Sicht bezahlt machten.

Die Unternehmen müssen Einsätze bei Technikfehler zahlen

Im vergangenen Jahr gab es im Landkreis nach Robert Spillers Worten insgesamt 172 Brandeinsätze und 192 Fehl- beziehungsweise Täuschungsalarme. Von einem Fehlalarm spricht man, wenn jemand beispielsweise wegen einer Rauchentwicklung den Notruf wählt, sich aber herausstellt, dass es nicht brennt. So wurde einmal im Bereich der Windräder im Scheppacher Forst ein möglicher Brand gemeldet, aber offenbar hatte der Wind nur viel Staub aufgewirbelt.

Früher habe es übrigens durchaus Firmen gegeben, bei denen sich Täuschungsalarme häuften, aber das komme heute so nicht mehr vor. Schließlich müssen die Unternehmen den Einsatz der Feuerwehr bezahlen, wenn die Technik Alarm auslöst, es aber keinen Notfall gibt. Die Wehr muss dann kommen, die Situation klären und die Anlage wieder scharf stellen.

Kosten zwischen 500 und 1000 Euro

Da die Gemeinden unterschiedliche Satzungen und somit unterschiedliche Preise haben, könne er nicht pauschal sagen, wie teuer ein solcher Einsatz wird. Aber man könne von einer Summe zwischen 500 und 1000 Euro ausgehen. Auch für mutwillige Fehlmeldungen von Personen wird es eine Rechnung geben – und Ermittlungen der Polizei. Aber wenn jemand im guten Glauben ein mögliches Feuer meldet, muss derjenige nicht für die Kosten des Einsatzes zahlen.

Absichtliche Fehlmeldungen kämen inzwischen nicht mehr häufig vor, genauso wenig das Drücken eines Feuermelders aus „Spaß“, etwa um die Einsatzkräfte ausrücken zu sehen. So oder so könne es aber durchaus Probleme mit sich bringen, wenn sich die Fehl- und Täuschungsalarme häufen, weil dann die Bereitschaft der Arbeitgeber noch weiter sinken könne, Mitarbeiter für den Dienst in der Feuerwehr freizustellen. Generell sei diese gesunken, vor allem in Orten, in denen die Einsatzzahlen steigen. Aber insgesamt seien doch noch sehr viele Betriebe kulant – auch, weil sie um den großen Vorteil wüssten, Feuerwehrleute bei sich zu haben, die auch in der eigenen Firma im Notfall schnell reagieren können.

Quelle: Günzburger Zeitung

Ein Tag in der Integrierten Leitstelle Donau-Iller

Die Disponenten – hier Daniel  Stumpp und Sabine Kappel­meier – arbeiten eng zusammen.
© Foto: Volkmar Könneke

Der Mann am Telefon klingt aufgeregt. Ein Keuchen, dann rattert er ohne Luft zu holen eine Adresse im Unterallgäu herunter. „Meine Frau hat einen Erstickungsanfall, wir brauchen einen Notarzt, schnell“, ruft er. Sabine Kappelmeier tippt die Daten in ein Formular ein, ihre Finger huschen über die Computertastatur. „Der Rettungsdienst ist unterwegs zu Ihnen“, sagt sie, ruhig und freundlich. „Ist Ihre Frau ansprechbar?“ Doch da ist nur noch ein Tuten zu hören – der Anrufer hat schon wieder aufgelegt.

Kappelmeier arbeitet in der Integrierten Leitstelle Donau-Iller (ILS) in Krumbach. Hier werden sowohl Einsätze des Rettungsdienstes als auch der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes organisiert. Wer in den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg, Unterallgäu oder der Stadt Memmingen die Notrufnummer 112 wählt, landet bei einem der 23 Disponenten. Sie arbeiten aber nicht nur Notfälle ab, sondern planen auch Krankentransporte und vorhersehbare Einsätze: Dieses Wochenende sind zum Beispiel viele Feuerwehren bei Funkenfeuern unterwegs.

Die Einsatzzentrale liegt im ersten Stock eines unscheinbaren Gebäudes in der Krumbacher Innenstadt. Die Möbel sind aus hellem Holz, an den Fenstern hängen Jalousien. An jedem der sechs Arbeitsplätze stehen fünf Bildschirme. Schichtleiter Daniel Stumpp deutet auf einen davon. „Hier sieht man die aktuellen Einsätze“, sagt er. Einige Zeilen sind gelb eingefärbt, diese Einsätze laufen gerade. Was blau gekennzeichnet ist, ist heute noch zu erledigen – etwa ein Krankentransport in die Weißenhorner Klinik. „Gerade ist die Lage relativ ruhig“, sagt Stumpp. „Das kann in einer halben Stunde aber schon ganz anders aussehen.“

Plötzlich klingelt das Telefon, bei jedem der Disponenten poppt eine Meldung auf dem Bildschirm auf. Kappelmeier setzt ihr Headset auf und klickt auf ein Hörer-Symbol. „Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst, Kappelmeier, Grüß Gott“, sagt sie. Es meldet sich eine Erzieherin aus einem Kindergarten im Unterallgäu. Ein Junge sei gestürzt und mit dem Kopf auf einem Fensterbrett aufgeschlagen. „Er hat eine Platzwunde, wir können die Eltern nicht erreichen.“ Kappelmeier erkundigt sich noch, wie alt der Junge ist: drei Jahre. „Wir schicken jemanden“, sagt sie dann. Drei Minuten, nachdem der Anruf eingegangen ist, sind die Sanitäter schon unterwegs zum Kindergarten.

Die Disponentin nimmt einen Schluck aus ihrer Wasserflasche. „Für mich ist das wirklich ein Traumjob“, sagt sie. „Wenn man nach Hause geht, weiß man, dass man etwas Sinnvolles getan hat.“ Eigentlich hat die 36-Jährige Erzieherin gelernt, früher in einer Kinderkrippe gearbeitet. Seit neun Jahren ist sie nun schon in der Leitstelle beschäftigt, momentan in Teilzeit. „Ich bin da so reingerutscht, mit zwölf Jahren hab ich schon bei der Feuerwehr angefangen.“

Das ist auch Voraussetzung für den Disponenten-Job. Wer sich bewirbt, sollte schon die Gruppenführer-Prüfung der Freiwilligen Feuerwehr bestanden haben, außerdem muss man Rettungsassistent oder Notfallsanitäter sein. „Die eigentliche Ausbildung zum Disponenten erfolgt dann vor Ort“, erklärt Schichtleiter Stumpp. Anfänger hören zuerst mit, wenn erfahrene Kollegen telefonieren, steigen dann langsam selbst ins Telefonieren und Disponieren ein. Parallel dazu gibt es eine zehnwöchige Schulung, die an die Ausbildung der Berufsfeuerwehr angelehnt ist. Dazu kommt ein siebenwöchiger Disponenten-Lehrgang an der Feuerwehrschule im oberbayerischen Geretsried. „Bis man fertig ausgebildet ist, dauert das etwa ein Jahr. Das hängt aber etwa auch von den Ortskenntnissen ab.“

Drei Arbeitsplätze in der Leitstelle sind immer besetzt – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. An einem sitzt der Schichtführer, er behält den Überblick über alle Einsätze. Ein Kollege organisiert den Rettungsdienst, einer die Einsätze der Feuerwehren. Je nach Zeit und Lage kommen noch weitere Mitarbeiter dazu, die sich nur ums Telefonieren kümmern und die Daten dann an die Kollegen weitergeben. Für größere Unglücke gibt es dafür sogar noch einen extra Raum. „Grundsätzlich gilt aber: Jeder kann alle Dienste machen“, sagt Schichtleiter Stumpp. „Ich telefoniere auch ganz normal mit, wie alle anderen auch.“

Kappelmeier hat heute Feuerwehrdienst. Plötzlich erklingt ein leiser Gong, auf ihrem Bildschirm taucht ein kleines Feuer-Symbol auf. Ein Autofahrer hat übers Handy einen Unfall auf der A7 zwischen dem Dreieck Hittistetten und Nersingen gemeldet. Drei Autos seien darin verwickelt – ob jemand verletzt ist, weiß niemand. Diesmal gibt es einen „kombinierten Einsatz“: Feuerwehr und Rettungsdienst rücken aus. Das Computersystem macht automatisch Vorschläge, welche Feuerwehr den Unfallort am besten erreichen kann – in diesem Fall sind die Einsatzkräfte aus Senden dran. Zwölf Minuten, nachdem der Anruf eingegangen ist, kommt eine Rückmeldung aus dem Rettungswagen: Die Einsatzkräfte haben den Unfallort erreicht, es gibt einen Leichtverletzten. Weitere vier Minuten später trifft auch die Feuerwehr ein und meldet: Es sind tatsächlich drei Fahrzeuge beteiligt, die linke Spur ist blockiert.

Die Disponentin tippt alle Informationen in den PC dokumentiert alle Rückmeldungen. So können sämtliche Einsätze genau nachvollzogen werden. 2017 verzeichnete die Leitstelle insgesamt rund 132 500 Anrufe. 83 500 Mal rückte der Rettungsdienst aus, 4300 Mal die Feuerwehr. Seit Jahren steigen diese Zahlen stetig an. „Die Menschen werden schließlich älter, dann entstehen auch mehr Krankheiten“, sagt Reiner Wolf, Leiter der Integrierten Leitstelle. Außerdem verändere sich in Bayern die Krankenhauslandschaft, manche Kliniken schließen oder werden zusammengelegt – dadurch sind mehr und weitere Fahrten nötig.

Manchmal wird die 112 auch bei Beschwerden gewählt, die einfach in einer Praxis behandelt werden können. Dann verweisen die Disponenten auf die Telefonnummer 116117, über die der ärztliche Bereitschaftsdienst koordiniert wird. „Letztes Jahr hat auch mal eine ältere Frau angerufen, weil ihre Heizung ausgefallen ist“, erzählt Kappelmeier – eigentlich nicht das Aufgabengebiet der Leitstelle. „Aber wenn man raushört, dass sich jemand wirklich nicht mehr zu helfen weiß, unterstützt man ihn trotzdem.“

Dann klingelt wieder das Telefon. „Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst, Guten Tag“, sagt Kappelmeier erneut, als sie den Anruf annimmt. Es meldet sich der Mann aus dem Unterallgäu, dessen Frau heute Vormittag keine Luft mehr bekommen hatte. Mittlerweile ist alles wieder gut – ihr war beim Essen etwas im Hals stecken geblieben, die Haushaltshilfe leistete erfolgreich Erste Hilfe. Der Mann möchte nur noch eines loswerden, er sagt: „Dankeschön!“

Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/kreis-neu-ulm-bayern/ein-tag-in-der-integrierten-leitstelle-donau-iller-24821826.html

Helden bei der Arbeit

Im Günzburger Legoland präsentierten sich Einsatzkräfte mit ihren Fahrzeugen und Geräten. Für sie hatte der Spaß für die Besucher einen wichtigen Hintergrund. Von Mario Obeser

Sie sind die stillen und manchmal lauten Helden des Alltags. Sie helfen in Not geratenen Menschen und Tieren und schützen im Ernstfall Hab und Gut. Die Einsatzkräfte aus verschiedenen Bereichen der Feuerwehr, der Rettungsorganisationen und des Technischen Hilfswerks präsentierten sich jetzt beim Helden-Event im Günzburger Legoland.

Hier war einiges geboten. Wer über den Dingen sein wollte, konnte einen Hubschrauberrundflug ordern, um sich das Legoland für ein paar Minuten von oben anzusehen. Einen Platz neben dem Kunstflieger, der waghalsiger Flugmanöver zeigte, war nicht zu bekommen. Was sicherlich auch nicht wirklich jemand wollte.

Bereits vor dem Eingangsbereich des Parks konnten eine Drehleiter, verschiedene moderne und ältere (teils Oldtimer-) Fahrzeuge von Feuerwehr und THW, darunter auch ein 50 Meter Kran der Feuerwehr Ulm bestaunt werden. Im Inneren des Legoland-Parks waren über das gesamte Gelände verteilt einzelne Stationen aufgebaut. Mal gab es Einsatzfahrzeuge zu sehen, bei denen fachkundige Helfer der jeweiligen Organisationen Fahrzeug und Material zu erklären wussten. An anderen Stellen gab es richtige Action.

Auf zwei Showübungen zeigten die Helfer zum Beispiel, wie nach einem Verkehrsunfall ein im Auto eingeschlossener Mensch möglichst schonend aus seinem Fahrzeug gerettet wird. Eindrucksvoll arbeiteten Kräfte verschiedener Feuerwehren zusammen, um mit hydraulischer Rettungsschere und Spreizer den Fahrer aus seinem Unfallauto zu befreien. Der Rettungsdienst versorgte währenddessen den „Verunglückten“ bereits im Fahrzeug, ehe er dann durch die Feuerwehrfrauen und Männer gerettet und dem Rettungsdienst übergeben wurde.

Bindeglied zwischen den Organisationen 

Auch die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) des Katastrophenschutzes des Landkreis Günzburg mit ihren Fahrzeugen präsentierte ihre Arbeit als Bindeglied zwischen den verschiedenen Rettungsorganisationen. 20 Männer und eine Frau sind beim Katastrophenschutz und ausgebildet im Umgang der Technik.

Die Motorradstaffel des Bayerischen Roten Kreuz ist auf den Hauptverkehrsrouten in ganz Schwaben an den Wochenenden unterwegs. Mit einigem medizinischem Material ausgestattet sind die wendigen Helfer eine wertvolle Ergänzung zu den großen Rettungswagen und Notarztfahrzeugen. Sie fahren dabei Streife, und werden auch gezielt über die Integrierte Leitstelle Donau-Iller zu Einsätzen geschickt.

Kleine und große Wunden schminkte das Jugendrotkreuz den Besuchern – um diese dann auch noch perfekt zu verbinden. Die Rettungshundestaffel des BRK hatte einen Parcours aufgebaut und zeigte in Vorführungen eindrucksvoll, was die ausgebildeten Rettungshunde leisten können. Auch der THW-Ortsverband Günzburg stellte Fahrzeuge, Werkzeuge und Einsatzmittel unter professioneller Beratung aus. Neben einem Rüstwagen – der fahrenden Werkzeugkiste – war auch ein Unimog ausgestellt. Dieser stand mit den Vorderreifen auf Hebekissen. Jedes dieser Kissen kann 7,5 Tonnen Last per Druckluft heben. Diese Kissen werden beispielsweise zum Anheben von Trümmerteilen verwendet, um an verschüttete Menschen zu kommen. Im Legoland nutzten die Helfer die Kissen für ein Spiel: Vor dem Unimog war ein Labyrinth aufgebaut, das mittels Hebekissen geneigt werden konnte, um so einen Ball mit Fingerspitzengefühl ans Ziel zu manövrieren.

Alle Rettungsorganisationen haben eines gemeinsam, die suchten stets nach Kindern- und Jugendlichen, die sich interessieren und Mitglied werden. Auch deshalb war für die Helfer das Heldenwochenende so wichtig, um sich zu präsentieren. Denn die beste Technik und viel Geld helfen am Ende nichts, wenn der Nachwuchs fehlt.

Quelle: www.augsburger-allgemeine.de – Stand: 16.04.2016 – 11:49 Uhr